Heute führe ich ein Leben, das ich mir vor wenigen Jahren nie hätte vorstellen können. Ich habe die Ausbildung zur Genesungsbegleiterin gemacht: Genesungsbegleiter sind Psychiatrie- und Krisenerfahrene, die andere Menschen mit seelischen Belastungen auf ihrem Genesungsweg unterstützen und begleiten. Ich nehme somit selbst eine aktive Rolle im psychiatrischen Versorgungssystem ein und versuche, mein Erfahrungswissen positiv zu nutzen.
Seit dem 1. Februar 2026 arbeite ich als Genesungsbegleiterin in der ambulanten Assistenz beim ASB Bremen und mache das, was mir selbst jahrelang geholfen hat: Ich treffe mich mit KlientInnen, tauche in ihre Lebenswelt ein und unterstütze sie mit meinem Erfahrungswissen auf ihrem Genesungsweg. Ich habe außerdem die Ausbildung zum Recovery-Coach abgeschlossen und wurde methodisch-didaktisch zur Dozentin qualifiziert, sodass ich heute selbst Fortbildungen und Vorträge gestalte.
Qualifikation und fachlicher Hintergrund
- EX-IN-Genesungsbegleiterin – FOKUS / EX-IN Deutschland, 2023; 427 Unterrichtseinheiten sowie zwei betriebliche Lernphasen mit insgesamt 120 Stunden
- Recovery-Coach – Schwerpunkt Recovery-Gesprächsführung, 2023; 30 Ausbildungsstunden bei Ingo Tschinke und Melanie Rogner
- „Kompetent dozieren im Tandem“ – dreiteiliger Trainer*innenkurs am Empowerment College Bremen, 11,5 Stunden, 2023
- Studium an der Universität Bremen – Kommunikations- und Medienwissenschaften im Hauptfach und Germanistik im Nebenfach; ohne Studienabschluss, Studienleistungen im Nebenfach Germanistik vollständig abgeschlossen
Ausgewählte Fortbildungen und Fachveranstaltungen: 18. Dreiländerkongress „Pflege in der Psychiatrie – Verletzung und Verletzlichkeit“ in Bielefeld-Bethel (2023) sowie „Mission5 – ReCharge“ für die ambulante psychiatrische Versorgung bei der Caspar & Dase Akademie (2025).
Dozentinnenerfahrung: Gemeinsam mit Kollegen schule ich Klinikpersonal im Rahmen einer Weiterbildung zum Recovery-Coach. Außerdem gebe ich regelmäßig Schulungen bei ArBiS Bremen, führte im Auftrag von FOKUS Bremen eine Netzwerkfortbildung für zwei Gemeindepsychiatrische Verbünde (GPV) durch und war als Gastdozentin auch für die AOK tätig. Hinzu kommen weitere Schulungen und Vorträge für Teams und Einrichtungen.
Letztlich konnte ich meine Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen nicht mehr nur als Hindernis, sondern auch als Chance sehen. Ich bin nicht symptomfrei – doch ich habe im Großen und Ganzen einen Umgang mit meinen seelischen Belastungen gefunden und mir ein Hilfe-Netzwerk aufgebaut, auf das ich jederzeit zugreifen kann.
Was mich heute trägt
Recovery bedeutet für mich nicht, dass alle Symptome verschwinden müssen. Es bedeutet, wieder Einfluss auf das eigene Leben zu gewinnen, Entscheidungen zu treffen und einen Weg zu finden, der zur eigenen Person passt. Ich bin nicht an einem fertigen Ziel angekommen. Ich habe aber gelernt, Warnzeichen ernster zu nehmen, Hilfe anzunehmen und zugleich meine eigenen Stärken nicht aus dem Blick zu verlieren.
Mein Erfahrungswissen bringe ich heute in die ambulante Assistenz und in Fortbildungen ein. Ich begleite Menschen auf Augenhöhe, arbeite recovery-orientiert und verbinde persönliche Einblicke mit fachlicher Reflexion und praktischen Erfahrungen.
Besonders wichtig ist mir eine Haltung, die Menschen nicht fragt: „Was stimmt nicht mit dir?“, sondern: „Was ist dir passiert, was hilft dir – und wie möchtest du leben?“